1.Neuauflage

Aktual. 28.1.12

 

Die Sibyllensage

Die Verena Beutlin Sage

Der langnasige Riese

 

Sibylle auf der Teck !

 

Tief unten im Sibyllenloch am Fuße des Teckfelsens wohnte die Sibylle. 

 Sie war eine sehr schöne und weise Frau. Sie wußte um alle Dinge und sah die Zukunft voraus. Den Menschen im Tal tat sie gutes wo sie nur konnte. Vielen, die sie um Rat baten, half sie in der Bedrängnis, und kein Armer, der sich in seiner Not an sie wandte, stieg vergeblich den steilen Weg zu ihr empor. In ihrem unterirdischen Schloß hielt sie ungeheure Schätze an Gold und Edelsteinen verborgen.

Leider aber waren die drei Söhne der Sibylle nicht von der Art ihrer Mutter und bereiteten ihr viel Kummer. Jeder von ihnen baute sich eine eigene Burg nahe der Teck, denn sie lebten auch untereinander im Streit. Der eine baute seine Burg auf dem Rauber, der andere auf dem Wielandstein, der dritte ließ sich die Diepoldsburg erstellen.

Von diesen Felsennestern aus plagten sie die Bauern und plünderten die durchziehenden Kaufleute aus. Auch gegenseitig machten sich die Brüder das Leben schwer, und machten sich die Beute streitig. Am ärgsten aber trieb es der Jüngste, der seine Brüder und sogar seine Mutter bestahl, von der er darum den Beinamen "der Rauber" erhielt.

Dieser Name ist seiner Burg, von der nur noch wenige Mauerreste stehen, geblieben bis auf den heutigen Tag.

Aus gram über die Untaten und die Feindschaft ihrer Kinder beschloss Sibylle , ihr Schloß und das Land zu verlassen.  

Auf einem goldenen Wagen, der von zwei großen Katzen gezogen wurde, fuhr sie eines Abends aus ihrer Höhle talabwärts durch die Lüfte, ihre langen Haare umwehten sie. Niemand weiß, wohin sie gegangen ist.

Alljährlich aber, wenn die Frucht zu reifen beginnt, kann man eine Stunde weit den Teckberg hinab, über den Kahlenberg und den Götzenbrühl empor den Weg verfolgen, den sie gefahren ist. Die Spur ihres Wagens kann man deutlich sehen: Die Wiesen sind dort grüner, das Korn trägt größere und goldenere Ähren, und das Brot, das daraus gebacken wird, schmeckt besser als alles andere Brot der Gegend. Dies ist der letzte Segen, den die gute Sibylle den Menschen drunten im Tal hinterlassen hat. Die Spur ihres Wagens nennt man heute noch die "Sibyllenfahrt".

 

 

Die Geschichte der Verena Beutlin !

Nicht weit von der Burg Teck ist der Gelbe Felsen. Dort spielte sich vor vielen hundert Jahren eine sehr traurige Geschichte ab.  

Des öfteren kamen in das kleine Städtchen Owen zwei in Lumpen gekleidete bettelnde Buben. Die Leute haben ihnen allerhand an Speisen gegeben. Als sie jedoch nach Ihrer Herkunft und nach Ihren Eltern gefragt wurden erhielten die Leute nur ausweichende Antworten.

Auch ein fremder Mann wanderte des öfteren durch Owen , er trug immer einen Korb und eine Haue mit sich. Deshalb dachten die Leute das dieser Mann einer Arbeit auf dem Teckberg nachgeht. Die Leute wussten natürlich nicht, dass der Mann und die beiden Buben zusammen gehörten. Sie waren alle auf dem Weg zum Gelben Felsen.

Dort wurden sie von einer Frau erwartet, die Jungen und die Frau hatten eine Höhle direkt am Gelben Felsen mehr oder weniger wohnlich eingerichtet. In der Mitte des Raumes war eine Kochstelle, an der Höhlenwand war aus rohen Brettern eine Bank und ein Tisch, und weiter hinten an einer trockenen Stelle der Höhle war der Schlafplatz der drei Bewohner.

An Holz zum heizen und kochen fehlte es nicht, aber oft an Speisen. Wenn das mal wieder der Fall war schickte die Mutter ihre Jungen in´s Tal um dann um Brot und sonstige Speisen zu betteln. Während die Jungen im Tal bettelten, hing die Frau eine rote Fahne an einen Ast über den Gelben Felsen das der Vater der Buben von weitem sehen konnte dass in der Höhle wieder Not eingekehrt ist. Immer wieder mahnte die Mutter ihre Buben auf keinen Fall den Ort ihrer Herkunft preiszugeben. Eines Tages als die Not am größten war, und die Mutter keine andere Wahl hatte schickte sie ihre halbverhungerte Jungen trotz Schnee und Eis hinunter in´s Tal . Die Jungen wurden dieses mal eindringlicher nach ihrer Herkunft gefragt und endlich brachen sie ihr Schweigen und erzählen alles.  

Der Mann der ab und zu mit dem Korb und der Haue durch Owen läuft, ist ein verheiratet Mann von Beuren. Die beiden Jungen waren seine unehelichen Kinder. Die Mutter hatte gewusst, dass der Zorn der Menschen unbegrenzt sein kann wenn sie erfahren dass eine Mutter mit ihren beiden unehelichen Kindern in einer Höhle lebte, die Jungs nicht zur Sonntagskirche gehen und noch nicht einmal die Taufe empfangen hatten.

Die Leute waren sofort der Meinung dass die Frau eine Hexe sein muss, so zogen einige Männer mit Fackeln und Mistgabeln bewaffnet hinauf zum Gelben Felsen. Dort fesselten sie die wehrlose Frau und nahmen sie mit in den Kerker der Stadt. Vor Gericht wurde die arme Mutter der Jungen als Hexe zum Feuertod verurteilt !

Ihre beiden Söhne aber wurden getauft. Sie wurden rechtschaffende Handwerker.

 

Der langnasige Riese vom Teckwald !

In den Wäldern unterhalb der Burg Teck wohnte einst ein Riese. Er hatte eine riesige Nase in seinem breiten Gesicht, mit der er alles neugierig beroch. Deshalb nannte man ihn nur Schnüffelnase. 

Oft ging er ins Städtchen Owen und besuchte Hansjörg den Schlossermeister, dem er bei der Arbeit zu gerne helfen wollte. Die Werkstatt war für den Riesen aber viel zu niedrig, und so streckte er seinen struppigen Schädel einfach nur zum Fenster herein.
Anstatt jedoch zu helfen, stürze der grobe, unbeholfene Riese alles in eine heillose Unordnung. Voller Zorn dachte sich deshalb der Schlossermeister einen Streich aus. Er drehte seinen Schraubstock ganz weit auf, und stellte ihn unter das offene Fenster. Als am nächsten Tag im Fensterloch sein ungebetener Besucher, mit lange Nase erschien. Packte der Schlossermeister Hansjörg mit den Zangen seines Schraubstocks zu. Die Nase des Riesen war arg zerschunden und der Schlossermeister hatte nach dieser Lektion endlich seine Ruhe vor dem rauen Unhold.

Eines Tages nun sollte Hansjörg ein Türschloss auf der Teckburg richten. In Gedanken versunken war er auf dem Weg zur Burg. Da erschien Riese Schnüffelnase mit einem riesigen Knüppel in der Hand. Zu Tode erschrocken  stellte sich der Schlosser geistesgegenwärtig
auf den Kopf und spreizte die Beine wie eine Zange auf und zu. Da erinnerte sich der Riese an seine geschwollene Nase Und rief kleinlaut und immer noch näselnd.
"Da bist Du ja schon wieder mit deinem verfluchten Schraubstock, lass mich endlich zufrieden damit !".
Nach dem er dies gesprochen hatte, sprang er in den dichten Teckwald zurück und hatte sich von diesem Augenblick nie wieder blicken lassen.

 

Die Sibyllensage

Die Verena Beutlinsage

Der langnasige Riese